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Labyrinth des Lebens

Es soll ja Menschen geben, die keine Labyrinthe mögen. Die Wege sind schmal. Alles sieht gleich aus. Man bekommt Beklemmungen. Und verirren kann man sich außerdem… das ist sogar ziemlich wahrscheinlich. Schon mal sowas erlebt?

In der griechischen Mythologie gibt es die spannende Geschichte vom undurchdringlichen Labyrinth auf Kreta, in dem das stierköpfige Ungeheuer Minotaurus sein Unwesen trieb. Kein Mensch, der es hineinwagte, so die Sage, hatte es jemals wieder lebendig nach draußen geschafft. Erst dem halbgöttlichen Theseus war es schließlich gelungen, die Bestie zu finden und zu besiegen. Mit Hilfe eines dünnen Wollfadens, den er von seiner Geliebten Ariadne bekommen und beim Eintritt in die Höhle nach und nach entrollt hatte, konnte Theseus schließlich den Ausgang wiederfinden und in die Freiheit treten.

 

Im Christentum wurde diese Sage auf Jesus Christus umgedeutet. Jesus sei so eine Art „neuer Theseus“, so sagte man. Am Karfreitag sei er ins Labyrinth des Todes hinabgestiegen, um Tod und Teufel zu besiegen und die dort eingeschlossenen Menschen heraus ins Licht zu führen. Darum gab es in den alten Kirchen oft an der dunkelsten Stelle des Gotteshauses (meist in der Krypta) ein Labyrinth. In den großen gotischen Kathedralen Frankreichs, in Chartres und Amiens, sind sie bis heute zu sehen: kunstvoll als Steinornament in den Fußboden gelegt.

 

Die Pilger kamen und rutschten betend die verwirrenden Gänge des Labyrinths ab. Sie wollten symbolisch ins Zentrum vordringen und dadurch für sich erlebbar machen: Mit allem, was mich bedrückt, und mit allen Irrwegen meines Lebens werde ich einmal im Zentrum bei Gott ankommen. So ging es alle Tage.

 

Aber an einem Tag des Jahres war es anders. Am Ostersonntag. Da durchrutschte kein bußfertiger Pilger das Labyrinth. Da stellte sich der Bischof mit seinem Domkapitel um das Labyrinth herum. Der jüngste Priester reichte ihm einen großen Ball, den man mit beiden Händen umfassen musste und der golden schimmerte. Und dann begann der Bischof, im Walzertakt über die Irrwege des Labyrinths zu tanzen. Dabei warf er den Ball einem der Domkapitulare zu und lud ihn so zum Mittanzen ein. Dieses Spiel wiederholte sich so lange, bis alle über die Labyrinthwege hinwegtanzten. Alle, die das Osterevangelium gehört hatten, sahen im zugeworfenen goldenen Ball die Ostersonne, die Licht ins Leben – und Menschen wieder neu in Bewegung bringt.

Ein Labyrinth – ein Tanz – ein Ball: eine sichtbare Osterpredigt. Die verworrenen Wege des Lebenslabyrinths bleiben. Sie werden nicht einfach begradigt. Schicksalsschläge und Sackgassen gehören auch weiterhin zu meiner menschlichen Existenz. Vieles in meinem Leben wird auch weiterhin unverständlich bleiben. Aber: Der Ball, der einfach über das Labyrinth hinwegfliegt, sagt mir: Starr nicht nur auf die Sackgassen und schwierigen Wege deines Lebens. Schau auch nach oben. Lass dich durch die Osterbotschaft einladen, neue Schritte zu wagen. Stoß dich nicht dauernd an den Mauern, die dir das Leben engmachen, sondern vertrau darauf: Über dir gibt es einen, der wieder Bewegung und neue Möglichkeiten in dein Leben bringen will.

Jesus Christus lebt. Der Tod ist besiegt.

 

Gottes Segen wünscht Matthias Scheel

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