Gottes Schnürsenkel

 

In regelmäßigen Abständen passiert es mir, dass plötzlich beim Schuhe binden der Schnürsenkel abreißt. Leider geschieht das meistens genau dann, wenn ich es besonders eilig habe. Dann stehe ich da mit meinem abgerissenen Bändchen... Wie soll ich jetzt den Schuh zu bekommen? Kurzerhand knote ich das abgerissene Ende wieder an. Das muss reichen. Es sieht zwar etwas komisch aus, aber wenigstens kann ich den Schuh wieder zubinden und meiner Wege gehen.

Ich finde: So ein Schnürsenkel ist eine ziemlich praktische Erfindung. Ob Wanderstiefel, Fußballschuh oder elegante Riemchensandalen (bei Damen), die dünnen Bänder sorgen dafür, dass die Schuhe fest mit den Füßen verbunden sind und wir uns sicher durchs Leben bewegen können. Im Notfall kann so ein Schnürsenkel auch schon mal als Gürtel-Ersatz um die Hose oder für noch ganz andere Dinge herhalten. Ich las sogar von einer Geschichte aus Neuseeland, wo der Schnürsenkel einem einsamen Wanderer das Leben gerettet hatte. Er war einen felsigen Abhang hinabgestürzt und hatte sich einen stark blutenden Bruch des Oberschenkels zugezogen. Mit Hilfe des Schnürsenkels konnte er die Blutung stoppen und das rechte Bein fest an das linke binden. Dann rutschte er vorsichtig auf Händen und Hosenboden weiter den Abhang hinunter bis er auf zwei Wanderer traf, die Rettung holen konnten.

 

Wenn schon ein kleiner, unscheinbarer Strick eine so große Bedeutung haben kann, wie ist das dann mit meinem Leben? Was hält mein Leben zusammen? Was hält unsere Gemeinde zusammen? Welches „Band“ verbindet uns miteinander? Da denke ich eine Passage aus dem Kolosserbrief, bei der ich mich mitten in eine Klamotten-Anprobe hineinversetzt fühle quasi in Gottes Modeboutique:

 

So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld!

Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so sollt auch ihr vergeben!

 

Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. (Kol 3,12-14)

 

Keine Frage, die hier von Paulus so leidenschaftlich angepriesenen „Kleidungsstücke“ sind echte Hingucker und stehen jedem und jeder gut zu Gesicht. Aber entscheidend ist das Band, das alles zusammenhält die Liebe. Die Liebe ist quasi der „Schnürsenkel“ Gottes, ohne den nichts geht und hält. Und selbst wenn dieses „Band“ manchmal reißt – Gott knotet die losen Enden immer wieder neu zusammen. Gottes Liebe hält.

 

Und deswegen kann und soll es auch bei uns so sein - In der Familie, in der Ehe, in der Gemeinde auf Arbeit oder wo auch immer wir mit Menschen in Kontakt kommen wo wir aus Gottes Liebe heraus leben und mit diesem „Schnürsenkel“ fest verbunden sind, da wird die Liebe auch unsere Beziehungen und unser Miteinander prägen.

„Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns. (GHS 476,2) 

 

 

Gottes Schutz und Segen wünscht Euer Matthias Scheel